Ein neues Prinzip aus der Schweiz soll das Stromsparen automatisieren und damit radikal vereinfachen: Digital-Strom. Hört sich erstmal toll an, Utopia ist schon auf den Zug aufgesprungen und auch die Mitgliederliste der Initiative liest sich recht beeindruckend – aber was steckt nun konkret dahinter und wie viel Potenzial hat es?
Ein Elektroinstallateur installiert in allen Geräten eines Haushaltes einen Mini-Chip, neue Lüsterklemmen in die Wandschalter und den “Digital-Strom-Meter” im Sicherungskasten. Das hört sich für mich schon sehr komplex, aufwendig und teuer an – wenngleich der Anbieter besonders betont, dass die bestehenden Stromleitungen genutzt werden – aber trotzdem: Elektroinstallateur meines Vertrauens anrufen (da gehts schon los), Termin ausmachen, der kann bestimmt nur zu normalen Bürozeiten usw usf …
Wenn diese Hürde genommen wurde, sollen alle mit Chip versehenen Geräte untereinander kommunizieren und ihren Stromverbrauch an den Strom-Meter melden. Die einzelnen Geräte lassen sich auch individuell “ansprechen” und damit einzeln ein- und ausschalten. Über ein Ampelsystem wird gemeldet, wenn der Standby-Verbrauch eines Geräts unnatürlich hoch ist, z.B. aufgrund eines technischen Defekts.
Des Weiteren können die elektrischen Geräte auf “Impulse” von den Elektrizitätsversorgern reagieren, z.B. wenn zu bestimmten Zeiten der Strom teurer wird, kann der Kühlschrank schonmal vorkühlen. Dieses Prinzip soll Lastspitzen senken – macht mich aus Datenschutzsicht aber wieder leicht nervös, ehrlichgesagt!!
Utopia meldet in seinem Artikel auch, dass der Standby-Verbrauch der einzelnen Geräte durch den Chip gesenkt wird – allerdings ist mir nicht ganz klar wie das gehen soll? In der Pressemitteilung von Digital-Strom steht lediglich, dass der Chip 0,3 Watt zusätzlich an Strom verbraucht (vielleicht meint Utopia auch das, oder?).
Einen ganzen Blumenstrauß an Möglichkeiten und Visionen zeigt dieses ARD-Video aus 2008 auf:
Ein wenig besser erklärt, wird das Ganze im folgenden Video (YelloStrom-Reklame einfach geistig ausblenden):
Für mich als Vergesslichen ist natürlich die letzte Funktion besonders schön: auf Knopfdruck beim Wohnung-verlassen verabschieden sich alle Geräte in den Energiesparmodus.
Positiv an dem Konzept finde ich vor allem, dass es über ein simples Ampelsystem bei den Nutzern ein viel stärkeres Bewusstsein für die Problematik der Energieeffizienz erzeugen würde / könnte. Im Grunde handelt es sich also um einen “Bildungs-Chip” – der aber nicht im Gehirn sondern in unseren elektrischen Geräten eingepflanzt wird – eigentlich bezeichnend für unsere Gesellschaft, oder?!
Andere Blogs zum Thema “Digitalstrom”:
- Beim Seniorenweb finden sich weitere Videos
- Der Bigbrotheraward zeigt deutlich, dass beim Thema Datenschutz wirklich nicht nur Positives zu befürchten ist. Laut diesem Artikel haben die Anwender nicht die Möglichkeit zu erkennen, ob digitalstrom mit dem Energieversorger kommuniziert oder nicht

06/06/2010 @ 21:52
Das ist mal echt eine gute Idee
…
wie nennt man den Chip genau und wo kann ich den kaufen denn bis her habe ich den noch nirgends gefunden