#unibrennt: Kollektive Organisation mit Echtzeit-Medien setzt eine Protestwelle frei. Mehrere hundert Studenten besetzen das Audimax der Universität Wien. Die Besetzerwelle schwappt weiter – in die Hörsäle anderer Unis in Österreich – gefüttert durch die rasende Verbreitung des Protests und der Akteure via Twitter, Livestream und Blogs. #unibrennt ist ein Paradebeispiel für die Wirksamkeit des Organisierens über soziale Medien. Jana schreibt richtig:
“[...] der Schwarm organisiert sich aus Individuen, die dank Informationstechnologie auch im Rudel adressierbar bleiben.”
Niemand hat mit diesem Ausmaß der Proteste im Vorfeld gerechnet. Die Vehemenz der Aktionen wurde noch eine Woche zurvor zuvor völlig falsch eingeschätzt. #unibrennt demonstriert im wahrsten Sinn des Wortes die Kraft der Selbst-Organisation in Echtzeit – die durch soziale Technologie wie Twitter, Flickr, Video everywhere und Blogs erst möglich wird. Diese sozialen Technologien sind der Schmierstoff für die rasende Verbreitung des Protests einzelner Individuen. Das Live-Kommunizieren der eigenen Aktionen, das Live-Beobachten durch andere Studierende mit ähnlichen Problemen führte zu einem Anschwellen der Masse der Audimax-Besetzer. Das wiederum führte zu mehr Videos, Tweets & Co und so entwickelte sich ein positiver Feedbackkreis. Vielleicht ein Lehrstück für gut genutzes und intuitiv gut gemachtes Social Media im politischen Kontext: Individuen teilen ihre Meinungen in Echtzeit, erkennen Gemeinsamkeiten in Echtzeit und schließen sich in Echtzeit zu Protestbewegungen zusammen.
“Das Wiki ist praktisch für die Organisation”, so die 20-jährige Soziologiestudentin Daniela, die sich am Montag aktiv den Protesten anschloss. “Am Wochenende habe ich die Proteste auf Twitter und über den Livestream mitverfolgt.” (Quelle: ORF.at)
Dieser Mechanismus hat auch schon zum Erfolg der Zensurula Kampagne und der Piratenpartei beigetragen.
Politisch interessant an dem Phänomen #unibrennt ist, dass die Bewegung nicht von den klassischen politischen Splittergruppen auf einem Uni-Campus ausging, sondern es sind “tatsächlich viele ‘Normalos’, denen die Zustände an der Uni nicht gefallen” (Quelle: Markus Zachhuber). Auch die politischen Forderungen sind während der Aktion im Entstehen und sich Verändern. Die Protestbewegung hat von Anfang an selber aktiv ins Web hinein von sich und seinen Aktionen berichtet. Für die Etablierten in der “großen Politik” fehlt ein Ansprechpartner und damit auch die Möglichkeit Druck auszuüben. Wie Philipp richtig bloggt, kann die Bewegung – wenn sie netzwerkartig (!) weiter wächst – sogar auf die Bevölkerung übergreifen.
Jump-In: Unibrennt-Website mit Aggregation von Berichten, Livestreams, Videos und Tweets. Schon mehr als 20.000 Fans (!) hat die Unibrennt-Facebookgruppe. Etliche Bildimpressionen finden sich bei flickr. Relevante Hashtags auf Twitter: #unibrennt und #unsereuni



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