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Cradle to Cradle – Doch nicht das Gelbe vom Ei?

Zu meiner Freude hat das zeozwei-Magazin, ein Magazin für Umwelt, Politik und Neue Wirtschaft, in ihrer ersten Ausgabe dieses Jahres das Cradle to Cradle-Konzept aufgegriffen. Das Faszinierende daran ist, von der Natur erlernt und abgeschaut, dass die Ressourcen immer wieder in einen ewigen Kreislauf gelangen und es somit keinen Müll gibt, sondern nur wertvolles, nutzbares Material aus dem immer wieder neue Produkte entstehen (siehe hierzu tiefer gehend unseren Cradle2Cradle-Grundlagenartikel). Das zeozwei-Magazin wird von der Deutschen Umwelthilfe e.V.  herausgegeben und ist damit eine wichtige Informationsquelle für Themen, die rund um die Begriffe Umwelt und Nachhaltigkeit stehen.

Die Verfasserin des Artikels, Annette Jensen, hat sich kritisch mit der Realisierbarkeit des von Michael Braungarts vorangetriebenen Wiederverwendungskonzepts auseinander gesetzt. Es ist, meiner Meinung nach, eine Pflicht sich gerade bei solch wichtigen Themen nicht von unreifem und undurchdachtem Wunschdenken leiten zu lassen. Deshalb bin ich selbst stets bemüht alle möglichen Informationen, Hintergründe und Zusammenhänge zu sammeln und mich dann ebenfalls kritisch damit auseinander zu setzen. Aus diesem Grund bin ich auch immer sehr dankbar für Hinweise jeglicher Art, ob diese nun positiv oder eben negativ für betreffendes Thema sind. Umso gespannter war ich auf diesen Artikel, indem Annette Jensen denn Grundgedanken des Cradle to Cradle-Konzepts zwar duchaus befürwortet, aber auch einige Beispiele für Verbesserungsbedarf aufzeigt.

Bevor ich näher darauf eingehe, muß ich jedoch einen missverständlichen Satz in diesem Artikel ins rechte Licht rücken. Die Autorin behauptet, dass Braungart nicht an dem Verzicht bzw. Einsparung von Giften interessiert sei. Sie bezieht sich dabei auf ein Zitat Braungarts “Wer falsche Systeme und Produkte optimiert, macht sie damit umso gründlicher falsch” (National Geographic, Collector’s Edition, Thema Energie). Er hat damit allerdings gemeint, dass man anstatt diese Produkte, eher schlecht als recht, zu verbesseren, sollte man über echte Alternativen nachdenken. Dies erklärt und veranschaulicht er anhand eines einleuchtenden Beispiels. Heutzutage beinhalten PET-Flaschen zwar einen, den Richtlinien entsprechenden,  kleineren Anteil an krebserregendem Antimon als früher, aber dieses Gift ist trotzdem vorhanden. Dabei gibt es mittlerweile ungefährlichere Ersatzstoffe (National Geographic, Collector’s Edition, Thema Energie).

Darüber hinaus nennt sie einige gelungene Beispiele, wie die T-Shirts von Trigema und die Unterwäschekollektion von Triumpf, die kompostierbar sind. Allerdings bemängelt sie den Grad an wiederverwendeten Materialien beim weltgrößten Teppichhersteller Shaw, der seine Produkte als “Dienstleistung” anbietet und diese zwar komplett zurücknimmt, aber die so zurückgewonnene Menge an Rohstoffen nicht ausreicht, um den Materialbedarf der Produktion zu decken. Weiterhin klagt sie die sogenannten klassischen Recycler an, wie die Firma DSD (Grüner Punkt), sich im Glanz der Cradle to Cradle-Bewegung zu sonnen. Dieses “Downcycling” ist nicht im Sinne von Cradle to Cradle, denn erstens ist dieses Recyclingsystem sozusagen ein Alibi für die Existenzberechtigung von umweltfeindlichen Materialien und zweitens werden diese Plastikabfälle nur noch als Brennstoff genutzt.

Abschließend kommt sie noch zum heiklen Thema Energie und fragt sich,woher diese kommen soll. Auch auf diese Frage geht Braungart ein und nennt die Sonne als Lösung, denn sie ist unerschöpflich und die Technologien, um sie zu nutzen werden immer effizienter. Dabei geht es nicht nur um Solarenergie im Sinne von Photovoltaik, sondern auch um Windenergie, die als Folge von Sonnenwärme und der dadurch entstandenen Thermik und Energie aus Biomasse, die nichts weiteres ist als in Pflanzen gespeicherte Sonnenenergie.

Auch wenn Annette Jensen zwar die Grundidee für gut erachtet, möchte sie vor einer unangebrachten Euphorie warnen. Natürlich ist das Cradle to Cradle-Konzept noch nicht zu 100 Prozent perfekt auf unsere Bedürfnisse zugeschnitten, trotzdem sollte man es deshalb nicht komplett verneinen, sondern der jetzigen und den kommenden Generationen die Chance geben die Entwicklung voran zu treiben und es nicht als Utopie abstempeln. Es ist und bleibt, meiner Meinung nach, das momentan beste Konzept für die Zukunft.

2 Kommentare

  1. Hallo,
    Ich kann dir das nur zustimmen. Natürlich ist Cradle-to-Cradle noch nicht 100%ig in allen Lebensbereichen durchdacht, wäre auch ein wenig viel verlangt. Es ist ja auch viel mehr an Art neues Lebenskonzept, dass uns alle inspirieren will, umzudenken und neue, nachhaltigere Wege zu gehen. Das tolle ist, die Grundgedanken lassen sich praktisch auf alles anwenden und es liegt nun an uns allen, was daraus wird. In seinem neuen Buch zeigt er ja Anhand vieler Beispiel auf, wie die Idee langsam aber sicher über den Erball kriecht. Da ist noch viel mehr möglich!

  2. Pingback: The story of electronics - oder: 25 Millionen Tonnen "bad designed" Elektronikschrott | Einfach Nachhaltig

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