Bioeis – Das Interview
Wie letzte Woche bereits angekündigt, habe ich ein E-Mail-Interview mit einem der Gründer hinter Healthyplanet / DasEis geführt. Im Folgenden die Fragen & Antworten. Viel Spass beim Lesen!
Hallo Florian! Stelle Dich und Dein Unternehmen unseren Lesern vor. Beschreibe dazu in fünf Sätzen wer Du bist und was Du machst.
Florian Mayr: Hallo, mein Name ist Florian Mayr & ich bin einer der Gründer von healthy planet. Im Bereich food entwickeln wir Bio Feinkost Spezialitäten und haben mit unserer Produktgruppe „DasEis.“ und dem dazugehörigen Laden in der Frankfurter Innenstadt dieses Jahr für einige Aufmerksamkeit gesorgt. Bio Innovationen wie das europaweit erste Bio Soft Eis, Bio Eisburger und jetzt saisonal Bio Suppe mit einer Kugel Bio Eis erfreuen uns und unsere Gäste immer wieder. Cateringaufträge und Gastronomiebelieferungen von Hamburg bis München runden das Portfolio ab. Für uns entscheidend ist allerdings die strenge Ausrichtung nach Öko-/Lohas-Kriterien: wir produzieren atomstromfrei, verwenden kompostierbare Einweglöffel, ungebleichte Servietten, PLA-Becher, Recyclingskartons etc pp – alles was zur zeit eben irgendwie möglich und darstellbar ist.
Wie kommt man auf die Idee ein Bioeis herstellen zu wollen?
Einerseits haben alle vier von uns habe früher andere Sachen gemacht, ich z.B. bin Mediendesigner, hatte meine eigene Agentur, war Dozent & Referent etc pp und irgendwann total genervt von der Virtualität & ihrer Vergänglichkeit & Oberflächlichkeit. Werte & Prozesse waren allesamt unbefriedigend.
Andererseits hat einer von uns, der Guido, schon seit 30 Jahren immer mal wieder im privaten Rahmen Eis gemacht & alle haben immer gefragt, warum man so etwas leckeres und gesundes nicht irgendwo kaufen kann. Nach einer durchgefeierten Nacht saßen wir dann nachmittags beim Frühstück in Frankfurt und hatten die leise Idee einer Zukunft in einem Eismobil zum Rumfahren. Zwischendurch haben wir dann die Firma healthy planet gegründet, einen Laden aufgemacht, ein Portfolio entwickelt und jetzt sogar wirklich ein eismobil am Start – einen uralten Bedford Blitz mit Panoramaglasscheibe!! Oberlässig! Freue mich schon wieder auf die Sommersaison!
Was ist an konventionellem Eis besonders schlecht? Wo seid Ihr besser? Schmeckt das Bioeis auch besser?
Niemand wird jemals von uns schlecht gemacht werden, es sei denn die Industrie. ![]()
Im Ernst: unsere Produktqualität lebt davon, was nicht drin ist. Wir benutzen noch nicht mal Bio Aromen oder Bio Farbstoffe, was wir ja laut Biodeklaration eigentlich dürften. Wollen wir aber nicht. Industriell raffinierter Zucker? Wollen wir auch nicht. Atomstrom? Fehlanzeige. Alles wichtig, alles mit viel Arbeit verbunden. Am Ende steht ein Premium Produkt auf dem Tisch und das muss schmecken. Tut es!
Wer kauft bei Euch ein? Ist Eure Zielgruppe die so genannte LOHAS-Gruppe?
Ja und nein, wir haben unterschiedlliches Klientel. Die Gastronomiekunden kommen aus dem mittleren Segment, weiter oben spielt Bio wiederum keine Rolle mehr, weil die ohnehin auf die Weide gehen, um dem Vieh beim Wiederkäuen zuzuschauen.
Was den Laden betrifft sind wir aufgrund der Nähe zur Kleinmarkthalle, dem sog. Eldorado der neuen Geniesser (O-Ton Zukunftsinstitut), sowieso eher dem selektiv-hochwertigen Publikum ausgesetzt, die dann auch verstehen, was wir da eigentlich machen.
Am schönsten ist es, wenn Kinder reinkommen und völlig selbstverständlich ein Ananas Petersilien Sorbet bestellen. Dann weiss man, dass man irgendwas geschafft, irgendwas bewegt hat. Und dieses Momentum hatte ich bei der Medienarbeit von früher eigentlich nie. Insofern war die Entscheidung und der Weg auf alle Fälle richtig. Jetzt müssen wir nur noch die kalkulatorische Tragfähigkeit des Konzeptes belegen und brauchen dafür Kunden, Kunden, Kunden …
Das Stichwort “Kunden finden” paßt auch zur nächsten Frage: Auf welche Strategien und Aktionen setzt Ihr bei der Vermarktung Eures Produkts?
- Hochwertige Events und Sponsorings: Eröffnung der IAA zum Thema Nachhaltigkeit, barcamps, Biomeile beim Frankfurter Marathon etc pp.
- medial: keine bezahlte Werbung, statt dessen maximale Authentizität. Blogs, PR, Empfehlungsmarketing. Wir freuen uns immer über Links, Berichte u.ä. Ist zwar viel Arbeit & braucht Zeit, adressiert aber die ‚info-seekers’. Alleine der Artikel im Stern, zufällig über einen Gastronomiekunden in Mannheim entstanden (Danke, Heiko!), hat über Nacht den Webtraffic verachtfacht.
- Persönlich im Laden über viel, viel und noch mehr viel Produktinformation in Gesprächen mit den Kunden, sodass aus diesen Impulskunden Multiplikatoren werden.
- Kooperationen da wo sinnvolll & ethisch/produktphilosophisch passend.
Hast Du Tipps für uns und unsere Leser auf was man bei der Vermarktung eines nachhaltigen Produkts besonders achten sollte?
Authentizität – Persönlichkeit – Stringenz in Design & Kommunikation – einfach, deutlich & raus aus der Öko-Ecke. Aber am wichtigsten ist die Glaubwürdigkeit, das Thema greenwashing kommt ja gerade erst auf die Radare auch der Kunden. Für uns heisst das: immer ganz transparent zu kommunizieren. Wir berichten ganz offen über den Stand unserer Tätigkeiten & wenn jemand etwas besseres dazu einfällt, v.a. auch was Verpackungsthematiken, Versand und ähnliches betrifft, immer her mit!
Zu Deinem privaten Konsum: Achtest Du bei allen Deinen Einkaufsentscheidungen auf nachhaltige Produkte? In welchen Bereichen würdest Du Dir wünschen, dass es mehr nachhaltige Alternativen gebe?
Ach was, ich bin ja auch voll die Impuls-Schlampe. Gerade wer viel arbeitet muss sich auch irgendwie komsumptorisch belohnen & viele Bio-Cotton Sachen sehen einfach Scheisse aus, sehr wenige sind obergeil. Generell würde ich das Thema gerne undogmatisch betrachten, also viel toleranter als mir das z.B. beim Thema Rauchen gelingt als Exraucher. Ich für meinen Teil glaube auch, dass Nachhaltigkeit im Sinne von Verantwortung auch bedeutet, sich kulturell dem industrialisierten Sterben zu entziehen, also nicht den ganzen US Kram zu gucken, der einem tagtägliche medial (Kino, TV) um die Ohren gehauen wird.
Auch einfach mal die Ausgsburger Puppenkiste glotzen, voll geil oldschool.
Wo informierst Du Dich über nachhaltige Produkte und wo kaufst Du diese ein?
Oooch, das Netz verschlingt mich ja jeden Tag auf’s neue, hier mal ein paar links:
http://www.treehugger.com/
http://www.genusshandwerker.de
http://www.flickr.com/photos/uniqueco-designs/sets/72157604084043112/
Welche Kriterien sind für Dich bei der Auswahl nachhaltiger Produkte wichtig (Gütesiegel, Testergebnisse etc.)?
Ehrlich gesagt verlasse ich mich da auf mein Gefühl und auf meine Medienkompetenz. Es muss ja nicht immer nachhaltig sein. Es sollte aber nie schädlich sein, weder gegenüber der Natur noch uns Menschen, den Tieren o.ä.
Was sind Deine TOP-10 der besten nachhaltigen Produkte?
Mmmh, ich würde da auf utopia.de verweisen, dort gibt es eine Menge Anregungen zum Thema. Ansonsten auf karmakonsum.de nachsurfen. Ich kaufe im Allgemeinen sehr wenig & wenn dann entweder im Internet oder auf Reisen. Restaurans etc checke ich erstmal via qype.com und entscheide dann, ob es passt. Es sei denn man ist auf Tour und fällt da rein, wo es am lautesten rausruft.
Aber dabei bitte immer den Spaß nicht vergessen & eine Stadionwurst ist eine Stadionwurst ist eine Stadionwurst, das ist auch klar.

Irgendwie paradox – speiseeis hat ja von haus aus eine der schlechtesten energiebilanzen (muss die ganze zeit gekühlt werden, ->stromverbrauch) und das dann als bio zu vermarkten?
Ich finde diese Firma sehr nervig! Machen online einen mächtig sympatischen und ökologischen Eindruck. Und fahren in Wirklichkeit uralte Dreckschleuderautos, die auch gern mit laufendem Motor stehen gelassen werden. Stellen ihre “lässigen” Riesenschlitten gerne wochen- und monatelang auf die Strasse, sodass die Anwohner keine Parkplätze mehr haben. Nee klar, voll Menschenverträglich. Sorry, das ist nicht autentisch.
Toll, endlich mal Kritik! Zwar reichlich unsachlich, denn unser 69er Pontiac Bonneville steht schon längst in Mainz in einer Garage zum Überwintern & ich kann der Äusserung entweder nur Neid oder reichlich Ökofrustration entnehmen; also liebe Frau Nachbarin mit Parkplatzproblem & Kleinwagen, kommen Sie doch mal in unseren Laden & überzeugen Sie sich von dem Folgenden: wir produzieren soweit möglich regional (Yoghurt & Sahne von der Domäne, die sollten Sie ja dann auch kennen), atomstromfrei mit Wasserkraft von der Staustufe Heddernheim, in kompostierbaren togo-Gebinden & kompostierbaren Einweglöffeln, servieren in unserem Laden Speisen & Getränke ausschliesslich auf 100& Reyclingglas, sind ausserdem flugfruchtfrei, benutzen FSC-zertifizierte Papiere & Kartons & lassen diese mit wasserlöslichen Biolacken bedrucken, verwenden ungebleichte Servietten/Einpackpapiere & Recyclingkartons & hosten unsere Websites auf modernen green power Servern mit low-power xeon l-series server cpus. Natürlich sind wir durch die GfRS auch biozertifiziert – also quasi als Selbstverständlichkeit.
Dass das Eis offensichtlich auch schmeckt, entnehme ich den folgenden userkommentaren:
http://www.qype.com/place/146742-DasEis–Frankfurt-am-Main
Aber so ist es in Deutschland: erst mal meckern, vor allem komfortabel & anonym im Internet. Viel mehr bio & v.a. regional wäre es, mal bei den netten Nachbarn zu klingeln, ‘Hallo’ zu sagen & uns einen Tipp zu geben, wie man die ‘alte Schleuder’ auf Biogas umrüstet, da hätten wir nämlich überhaupt nichts dagegen.
So, jetzt muss ich mich wieder freudvollen & sinnstiftenden Dingen zuwenden & wünsche allen Lesern noch einen schönen Tag.
Das ein 69er Pontiac eine Ökokatastrophe ist hat ja wohl garnichts mit Deutschland zu tun – oder mit meckern.
So eine Karre ist als sprit & co2 monster kaum noch zu toppen, und wenn jemand mit bio wirbt und das gegenteil lebt ists doch klar das sich die leute wundern.
@tanja: jo, eis ist an sich gegenteilig zu öko, strom ob nun mit oder ohne atom brauchts allemal. Ist ja auch nichts dran auszusetzen, aber erneut, wer öko reklamiert…
und naja, “heimische produktion” wag ich jetzt mal bei mango, kokosnuss etc eher unter spass zu verstehen, genauso wie ich “einweglöffel” als das gegenteil von öko verstehe, kompostierbar oder nicht.
das scheint ja eher alles szene mit ökoanstrich als echtes bio zu sein – was ja auch in der jüngeren verganagenheit viele Firmen als werbung nutzen.
Mhh, persönlich finde ich die aufkommende Diskussion etwas merkwürdig. Natürlich ist Eis von seiner CO2-Bilanz nicht sehr ökologisch, das wird aber kaum etwas daran ändern, dass viele, viele Menschen im Sommer zur Erfrischung gerne ein kühles Eis haben möchten. Wenn nun ein Unternehmen, in diesem Fall DasEis, eine Alternative anbietet, die um einiges umweltfreundlicher und durch die sorgsame Auswahl an Zutaten vielleicht auch gesünder ist als bisherige Eisdielen/-sorten, dann finde ich das durchweg positiv.
Das Konzept, das Florian Mayr hier auch nochmal in den Kommentaren erläutert hat, finde ich sehr durchdacht und es spricht mich auch persönlich an. (Gibt es DasEis eigentlich auch in Wuppertal oder Umgebung zu kaufen?) Ob er jetzt in seiner Freizeit ein CO2-Monster fährt, mag vielleicht nicht der Glaubwürdigkeit förderlich sein, aber ist mir persönlich, solange mich Produkt überzeugt, erstmal egal. Außerdem scheint er ja einer umweltfreundlicheren Lösung (Biogas) nicht abgeneigt.
Leider muß ich widersprechen, was die Erstentwicklung von Bio-Softeis angeht. Das erste
100% Bio-Softeis gab es bereits im
Januar 2005 auf der IGW in Berlin an unserem Stand.
Auch auf der Biofach 2007 dürfte ich der Erste gewesen sein. Wir sind seit 2004 mit Bioeis bei
Bioland zertifiziert.